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Wie lässt sich die Lücke im Panorama schließen? Angehende Grafikdesignerinnen und Grafikdesigner geben Antworten

Ein Ende des 19. Jahrhunderts von Sally Wiest (1866-1952) geschaffenes Rundbild bietet einen beeindruckenden Rundumblick über die Dächer der boomenden Haupt- und Industriestadt. Die Stuttgarter Malerin hatte dabei eine ungewöhnliche Perspektive gewählt: Vom Dach ihres Wohnhauses aus malte sie insgesamt sechs großformatige Gemälde, die einen besonderen Panoramablick aus der Urbanstraße heraus ermöglichen. Die Werke sind heute Teil der Gemäldesammlung des Stadtarchivs – und leider fehlt genau der Teil, der den Schlossplatz und die Altstadt zeigt. Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs für Grafik-Design der Akademie für Kommunikation Stuttgart haben aus der Not eine Tugend gemacht – und die Lücke im Panorama mit eigenen Werken vervollständigt.

Rundbild von Sally Wiest. Die rechte Hälfte des fünften Bildes sowie die Ansicht der Innenstadt fehlen.

Ausgangspunkt war dabei umfassendes Material aus dem Stadtarchiv Stuttgart. Wie stellte sich die Perspektive damals dar? Wie war die Innenstadt aufgebaut? Welche perspektivischen Linien gibt es? Welche Gebäude sind im Vordergrund? Gibt es schon Bebauung an den Hängen des Stuttgarter Talkessels?

Anhand von Stadtplänen wie diesem von 1894 ließ sich die fehlende Perspektive rekonstruieren. Rechts unten die Urbanstraße, von der aus Sally Wiest ihr Rundbild gemalt hat. Gut zu erkennen ist noch das alte Rathaus am Marktplatz. Stadtarchiv Stuttgart, 9350 Karten und Pläne, Nr. 12.

Diese und zahlreiche weitere Fragen schufen die Grundlage für insgesamt zehn Arbeiten auf Leinwand, die mit jeweils individuellem Schwerpunkt und unterschiedlichen Formaten kreative Zugänge zu den fehlenden Teilen des Panoramas ermöglichen.
Auch wenn Postkarten, Stadtpläne und Fotografien einen Eindruck vom möglichen Stadtbild schufen, stellte sich die Rekonstruktion einer Perspektive von einem anderen Standpunkt als echte Herausforderung dar.

Rekonstruktion einzelner Perspektiven und Gebäude anhand von Fotografien aus dem Stadtarchiv.

Wie die Schülerinnen und Schüler diese Herausforderungen gemeistert und welche gestalterischen Ideen sie dabei umgesetzt haben, zeigt eine Ausstellung der fertigen Werke im Foyer des Stadtarchivs, Bellingweg 21. Eröffnet wird die Ausstellung am Dienstag, 14. Juli 2026 um 18 Uhr. Die Werke sind bis zum 24. Juli während der Öffnungszeiten des Archivs zu sehen. Auf der Website der Akademie für Kommunikation ist ein Nachbericht zur Vernissage erschienen.

Am Dienstag 21. Juli und Mittwoch 22. Juli findet außerdem jeweils um 18 Uhr eine Kurzführung statt, bei welchen neben den Werken der Schülerinnen und Schüler auch die Originale von Sally Wiest im Magazin des Stadtarchivs gezeigt werden. Für die beiden Führungen bitten wir um Anmeldung an: stadtarchiv@stuttgart.de

Im Video wurde das Rundbild von Sally Wiest jeweils mit einer anderen Arbeit der Schülerinnen und Schüler vervollständigt:

Zum Video auf Vimeo.


OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Michael Herzog (10. Juli 2026). Wie lässt sich die Lücke im Panorama schließen? Angehende Grafikdesignerinnen und Grafikdesigner geben Antworten. Archiv0711. Abgerufen am 4. September 2026 von https://doi.org/10.58079/16jyl


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