Fahrradfreuden in Stuttgart – Zum Stadtradeln auf den Spuren der Weltmeisterschaft
Ist Stuttgart eine Fahrradstadt? Wer Umfragen kennt, würde wohl spontan den Kopf schütteln. Zu viele Höhenmeter, zu wenig durchgängige Radwege, zu viel Konkurrenz mit Autos und Fußgängern. Und doch: Trotz dieser Herausforderungen ist die Radfahrszene in der Landeshauptstadt erstaunlich lebendig. Wer einmal an einem sonnigen Feierabend durch den Kessel rollt, merkt schnell, wie viele Menschen hier mit Leidenschaft in die Pedale treten.
Dafür sprechen nicht nur die regelmäßig stattfindenden Critical‑ und Kidical‑Mass‑Fahrten, sondern auch etablierte Amateur‑ und Profiradrennen wie das Brezel‑Race samt Women’s Cycling Grand Prix, die traditionsreichen Rund‑um‑Stuttgart‑Touren (RTF) oder die zahlreichen locker organisierten Feierabendgruppen, die sich über die Stadt verteilen. Ganz zu schweigen von den nicht wenigen Menschen, die ihre Alltagswege auf dem Rad zurücklegen.
Zweimal Gastgeberin der Weltelite: Die Rad-Weltmeisterschaften in der Kesselstadt
Ein besonderes Kapitel schlägt Stuttgart mit den Rad-Weltmeisterschaften auf. Gleich zweimal war die Stadt Gastgeberin: 1991 und 2007.
Ein Blick in die Archivquellen zur Rad-WM 1991 zeigt, dass Stuttgart hervorragende Bedingungen für den internationalen Radsport schaffen konnte. Auf einem rund 400.000 Quadratmeter großen Areal rund um den Cannstatter Wasen entstand vom 13. bis 25. August eine eigene Fahrradwelt. Die Bahnrennen fanden in der Hanns‑Martin‑Schleyer‑Halle statt, während die Straßenrennen auf einem innerstädtischen Rundkurs mit Start und Ziel im damals so bezeichneten „Neckarstadion“ in Bad Cannstatt ausgetragen wurden.
Bemerkenswert ist, dass in Stuttgart erstmals ein Straßenrennen einer Rad-WM mitten in einer Großstadt ausgetragen wurde. Für die Stuttgarterinnen und Stuttgarter bedeutete das Weltklasse-Radsport direkt vor der Haustür. Rund 300.000 Zuschauerinnen und Zuschauer sollen die Rennen am Straßenrand verfolgt haben.


Die Strecke des Straßenrennens umfasste 15,8 Kilometer pro Runde. Der Kurs galt als technisch anspruchsvoll, selektiv und konditionell fordernd – nicht zuletzt wegen der Stuttgarter Topografie.
Am 24. August 1991 trugen die Profi‑Frauen ihr Straßenrennen auf dem Rundkurs mit einer gesamten Distanz von 79 Kilometern über 5 Runden aus. Die Niederländerin Leontien Zijlaard‑van Moorsel setzte sich nach 2:09:47 Stunden durch und gewann den Weltmeistertitel der Frauen. Die weiteren Podiumsplätze belegten Inga Thompson (USA) und Alison Sydor (Kanada).
Die Profi-Herren fuhren am 25. August 1991 insgesamt 252,8 Kilometer über 16 Runden. Der Sieger des Profi-Straßenzeitrennens war der Italiener Gianni Bugno, der sich nach 6:20:04 Stunden durchsetzte. Dahinter folgten Steven Rooks (Niederlande) und Miguel Induráin (Spanien).

Ein WM-Parcours zum Stadtradeln? Komm in unser Team „Gedächtnisspeichen“
Wer heute Lust hat, ein wenig WM‑Luft von 1991 zu schnuppern, kann sich ja einmal an einer Runde des historischen Kurses versuchen. Am 4. Mai 2026 startet wieder das Stadtradeln in Stuttgart, die bundesweite Aktion zur Förderung des Radverkehrs. Auch das Stadtarchiv Stuttgart ist erneut mit dem Team „Gedächtnisspeichen“ am Start. Wir laden herzlich dazu ein, unserem Team unter diesem Link beizutreten.
Mitmachen dürfen alle – Alltagsradelnde, ambitionierte Amateure, Profis und Feierabendgenießer. Jede Strecke zählt, egal ob zur Arbeit, zum Einkaufen oder auf einer kleinen Trainingsrunde. Vielleicht ja sogar auf einem Abschnitt des WM‑Kurses von 1991?
Archivquellen zur Fahrrad-WM 1991 im Stadtarchiv:
Stadtarchiv Stuttgart, 167/2 Sportamt Nr.103
Stadtarchiv Stuttgart, 167/2 Sportamt Nr.104
Stadtarchiv Stuttgart, 9100 – Drucksachensammlung Nr. 2222
Stadtarchiv Stuttgart, 9100 – Drucksachensammlung Nr. 3639
Stadtarchiv Stuttgart, 9100 – Drucksachensammlung Nr. 323 G
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Stadtarchiv Stuttgart (30. April 2026). Fahrradfreuden in Stuttgart – Zum Stadtradeln auf den Spuren der Weltmeisterschaft. Archiv0711. Abgerufen am 4. September 2026 von https://doi.org/10.58079/165oi






